Ich war weit über die Seemitte hinausgeschwommen und hatte mich dann treiben lassen. Als ich wieder zum Hotel schaute, stand jemand auf dem Anleger. Eine Frau. Ihre Kleidung lag neben ihr auf den Bohlen. Sie stieg auf das Geländer am Ende des Stegs – erst auf die untere Stange, dann auf die obere – und richtete sich auf. Sie stand dort, als hätte sie ein Mittel gegen die Schwerkraft gefunden. In Wirklichkeit dauerte es sicher maximal eine halbe Sekunde, aber es sah aus, als könnte sie ewig so stehen bleiben. Das Sonnenlicht streifte flach über Körper und Gesicht, die kurzen Haare leuchteten. Sie hob die gestreckten Arme, ließ sich nach vorn fallen und tauchte kopfüber ins Wasser.

Visby

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