{"id":146,"date":"2025-06-08T13:43:09","date_gmt":"2025-06-08T13:43:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.barbara-slawig.de\/wp\/?p=146"},"modified":"2025-06-08T17:09:43","modified_gmt":"2025-06-08T17:09:43","slug":"haus-ohne-halt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-slawig.de\/?p=146","title":{"rendered":"Haus ohne Halt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--1 wp-block-paragraph\">Marilynne Robinson<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"671\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.barbara-slawig.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/robinson1-671x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-147 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-slawig.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/robinson1-671x1024.jpg 671w, https:\/\/www.barbara-slawig.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/robinson1-197x300.jpg 197w, https:\/\/www.barbara-slawig.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/robinson1-768x1172.jpg 768w, https:\/\/www.barbara-slawig.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/robinson1-1007x1536.jpg 1007w, https:\/\/www.barbara-slawig.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/robinson1.jpg 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 671px) 100vw, 671px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"line-height:1.2\">\u00dcbersetzung: Sabine Reinhardt-Jost<br>Edition f\u00fcnf 2012<br>EAN 9783942374231<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"line-height:1.2\">Original: Housekeeping<br>Farrar, Straus &amp; Giroux 1980<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwo im Nordwesten der USA, irgendwann in den 1950er-Jahren. An einem See, der von W\u00e4ldern und Bergen umschlossen ist, wo die Winter lang sind und die Luft immer nach Wasser riecht, wachsen Ruth und Lucille in einem kleinen Ort namens Fingerbone bei ihrer Gro\u00dfmutter auf. Ihre Mutter ist tot \u2013 sie ist mit dem Auto in den See gest\u00fcrzt. Ihr Vater ist bereits vorher abhanden gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ist es nicht verwunderlich, dass in der Stimme der Erz\u00e4hlerin Ruth von Beginn an Einsamkeit mitschwingt. Dabei haben es die M\u00e4dchen zun\u00e4chst recht gut, denn die Gro\u00dfmutter ist eine freundliche Frau, die sich gewissenhaft um Ruth und die j\u00fcngere Lucille k\u00fcmmert. Doch als sie stirbt, kommt nach einem kurzen Intermezzo mit zwei v\u00f6llig \u00fcberforderten Gro\u00dftanten die einzige noch greifbare Verwandte ins Haus: Sylvie, die j\u00fcngste Schwester der Mutter. Eine Vagabundin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit ihrer Ankunft \u2013 so scheint es jedenfalls auf den ersten Blick \u2013 verliert das Zuhause von Ruth und Lucille seinen Halt. Denn Sylvie ist zwar ernsthaft gewillt, f\u00fcr die M\u00e4dchen zu sorgen, doch es fehlt ihr jedes Talent zum \u201eHousekeeping\u201f (so der Titel des Originals). Sie l\u00e4sst die M\u00e4dchen von den Deckeln von Waschmittelpackungen essen und aus Marmeladegl\u00e4sern trinken, sammelt leere Konservendosen und Zeitungen und unternimmt nichts gegen Grillen und M\u00e4use im Haus. Au\u00dferdem kleidet sie sich seltsam, stromert umher und hat keinerlei Zeitgef\u00fchl.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen Fr\u00fchling und einen Sommer hindurch beobachten die M\u00e4dchen ihre Tante und versuchen, sich einen Reim auf sie zu machen. In diesem halben Jahr sind sie sich n\u00e4her als je zuvor \u2013 und einsamer als je zuvor, denn sie f\u00fchlen sich nirgendwo zugeh\u00f6rig. Sylvie erscheint ihnen unberechenbar und fremd; die Nachbarn und Schulkameradinnen, die ihren Haushalt mit Argwohn betrachten, sch\u00fcchtern sie ein. Am Ende dieses Sommers wird sich das \u00e4ndern. Lucille wird sich auf die Seite der Anst\u00e4ndigen schlagen und sich zielstrebig und hartn\u00e4ckig einen Platz unter ihnen erobern. Ruth dagegen wird sich immer weiter in Sylvies Bann ziehen lassen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wir werden mit in ihren Bann gezogen. Das ist das Wunderbare an diesem Roman: Mit welcher Ruhe und sprachlichen Kraft er uns Sylvies Anderssein miterleben l\u00e4sst. Marilynne Robinson hat ganz stille, fast beil\u00e4ufig wirkende und darum unwiderstehliche Bilder daf\u00fcr gefunden. So sehen wir mit Ruths Augen, wie Sylvie w\u00e4hrend der allj\u00e4hrlichen \u00dcberschwemmung von Fingerbone aus dem bewohnbaren, von Kerzen erhellten oberen Stock in die dunkle, \u00fcberflutete K\u00fcche hinabsteigt und mit der Dunkelheit verschmilzt. Wir sp\u00fcren Ruths Angst, als sie Sylvie in die W\u00e4lder begleitet und dann begreift, dass die Tante keinen Gedanken darauf verwendet, ob sie heil wieder nach Haus kommen. Zugleich beobachten wir, welche Ma\u00dfnahmen Lucille ergreift, um den Sprung ins Lager der Anst\u00e4ndigen zu schaffen, und welcher Graben sich dadurch zwischen den Schwestern auftut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch <em>Haus ohne Halt<\/em> schildert nicht nur die Beziehung zwischen diesen drei Menschen, er zeigt auch, in welcher Welt sie sich bewegen. Es ist eine k\u00fchle, leere Welt, die mit ihren \u00dcberschwemmungen, ihrer Dunkelheit, ihren riesigen W\u00e4ldern immer st\u00e4rker sein wird als die Menschen. Eine Welt, die alle auf Abruf bewohnen, in der alle nur einen Schritt von der Heimatlosigkeit entfernt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marilynne Robinson \u00dcbersetzung: Sabine Reinhardt-JostEdition f\u00fcnf 2012EAN 9783942374231 Original: HousekeepingFarrar, Straus &amp; Giroux 1980 Irgendwo im Nordwesten der USA, irgendwann in den 1950er-Jahren. 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