{"id":141,"date":"2025-06-08T13:42:23","date_gmt":"2025-06-08T13:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.barbara-slawig.de\/wp\/?p=141"},"modified":"2025-06-08T17:09:57","modified_gmt":"2025-06-08T17:09:57","slug":"die-linke-hand-der-dunkelheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barbara-slawig.de\/?p=141","title":{"rendered":"Die linke Hand der Dunkelheit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--1 wp-block-paragraph\">Ursula K. Le Guin<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"409\" height=\"648\" src=\"https:\/\/www.barbara-slawig.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/leguin1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-143 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-slawig.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/leguin1.jpg 409w, https:\/\/www.barbara-slawig.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/leguin1-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 409px) 100vw, 409px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"line-height:1.2\">Neu \u00fcbersetzt von Karen N\u00f6lle<br>Fischer TOR 2023<br>EAN 9783596707126<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\" style=\"line-height:1.2\">Original: The Left Hand of Darkness<br>Ace Books 1969<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genly Ai, ein Mann von der Erde, besucht als Gesandter eines Weltenbundes den arktischen Planeten Gethen. Auch hier leben Menschen, doch gerade weil ihm die Einwohner oft so vertraut scheinen, kommt Genly nicht mit ihnen zurecht. Nicht nur dass er st\u00e4ndig friert, dass er mit K\u00f6nigen und Aristokraten umgehen muss (auf der Erde gibt es beides nicht mehr) und in politische  Intrigen ger\u00e4t, die er nicht durchschaut; viel mehr macht ihm zu schaffen, dass die Gethenianer den gr\u00f6\u00dften Teil der Zeit kein Geschlecht haben. Nur alle paar Wochen werden sie f\u00fcr wenige Tage zu M\u00e4nnern und Frauen \u2013 und niemand ist auf ein Geschlecht festgelegt \u2013 lieben sich, zeugen Kinder oder werden schwanger; dann ist die Phase vorbei, und sie sind erneut&nbsp;\u2026 Ja, was sind sie?<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn es war<br>unm\u00f6glich, in ihm [\u2026] eine Frau zu sehen, und dennoch<br>sp\u00fcrte ich, sobald ich in ihm einen Mann zu sehen<br>versuchte, etwas Unechtes, einen Betrug: in ihm, oder in<br>meiner eigenen Einstellung zu ihm?&#8221;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genlys fundamentalstes Bezugssystem ist unbrauchbar geworden. St\u00e4ndig meint er in seinem Gegen\u00fcber dieses Unechte zu sp\u00fcren. So erkennt er nicht, wem er trauen darf, vertraut am Ende den Falschen und ger\u00e4t in Lebensgefahr; und erst bei der abenteuerlichen Flucht aus einem Internierungslager und \u00fcber das gro\u00dfe Inlandeis lernt er, in seinem Retter Estraven einfach einen Menschen zu sehen. <em>Die linke Hand der Dunkelheit<\/em>, Ursula Le Guins mehrfach preisgekr\u00f6nter Roman aus dem Jahr 1969, handelt damit nicht nur von Geschlechterrollen, sondern erz\u00e4hlt viel allgemeiner von der Begegnung mit dem Fremden: spannend, farbenfroh, mysteri\u00f6s und verbl\u00fcffend aktuell.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe Ursula Le Guin mit Mitte zwanzig entdeckt, als ich schon einiges an Science fiction gelesen hatte, von Autoren, die damals als Klassiker galten: Asimov, Niven, Heinlein. Die misogynen Untert\u00f6ne dieser Romane fand ich \u00e4rgerlich; andererseits war das eine Zeit, in der auch Biologieprofessoren unwidersprochen frauenfeindliche Ansichten \u00e4u\u00dfern durften und die einzige Mathematikprofessorin der Uni in ihren Vorlesungen gemobbt wurde. Frau war so etwas also gewohnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die unterschwellige (oder auch offene) Geh\u00e4ssigkeit gegen Frauen bei Le Guin fehlte, empfand ich nat\u00fcrlich als wohltuend, aber es war nicht der Grund, weshalb mich ihre Romane verzaubert haben. Zumal auch bei ihr die Rolle des Handlungstr\u00e4gers fast immer m\u00e4nnlich besetzt war; das hat sich erst in sp\u00e4teren Jahren ge\u00e4ndert. Aber verglichen mit Asimov oder Niven hatte ich bei ihr das Gef\u00fchl, die Sph\u00e4re der technoiden, eindimensionalen Abenteuer zu verlassen und mich endlich durch wirklich lebendige Welten zu bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Laufe der Jahre habe ich fast alle ihre Romane gelesen. Auf meiner pers\u00f6nlichen Bestenliste steht gleich hinter <em>The Left Hand of Darkness<\/em> der Roman, der allgemein als ihr bester gilt: <em>The Dispossessed<\/em>, mit kleinem Abstand gefolgt von <em>The Lathe of Heaven<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ursula K. Le Guin Neu \u00fcbersetzt von Karen N\u00f6lleFischer TOR 2023EAN 9783596707126 Original: The Left Hand of DarknessAce Books 1969 Genly Ai, ein Mann von der Erde, besucht als Gesandter eines Weltenbundes den arktischen Planeten Gethen. 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