Kleine Schritte (2)

Vor drei Tagen: Arztbesuch, weil man für die Reise auf dem Containerschiff ein Attest braucht, das nicht älter als zwei Monate sein darf. Außerdem haben wir über die Reiseapotheke gesprochen.

Vorgestern und gestern:  Medikamente gegen Seekrankheit und gegen Durchfall besorgt.

Heute: Noch schnell, bevor alle Geschäfte auf Herbst- und Winterkleidung umstellen, eine leichte Sommerhose gekauft.

Außerdem habe ich zu erreichen versucht, dass mein Abo von Sterne und Weltraum für drei Monate ruht. Das scheint allerdings wenig aussichtsreich.

Und Jochen hat einen gar nicht so kleiner Schritt erledigt: die Reisekrankenversicherung ist abgeschlossen.

Spanisch lernen

Spanisch lernen ist leicht, wenn man Latein und Französisch aus der Schule kennt. So heißt es und es stimmt auch, wenn man erraten will, was in der Zeitung steht. Partido, conferencia, medalla de bronce – das klappt doch prima. Aber auf der Suche nach dem spanischen Wort für Meer werden Vorkenntnisse schnell zur Plage: La mer drängt sich vor, sogar il mare, obwohl ich nur so viel Italienisch kann, wie auf eine Speisekarte passt.

Außerdem gibt es Fallen: „Banana ist gringo“, rügt Miguel, plátano muss man sagen. Miguel aus Mexiko unterrichtet an der Volkshochschule, und wer befürchtet, dass es dort rentnerhaft zugeht, braucht nur einen Intensivkurs zu buchen (ab zwei Termine in der Woche). Dort geht niemand hin, nur um ein bisschen Abwechslung zu haben. Alle haben etwas vor und überraschend viele kommen aus dem Ausland, so wie L. aus Dänemark, die sich mit ihrem Freund aus Lateinamerika auf englisch verständigt und ihre Fragen im Kurs auf deutsch stellt.

Das Lernen hatte ich mir in meinen Berufsjahren nicht abgewöhnt, aber eine neue Sprache war nicht dabei. Was ich zu lernen hatte, lief auf besseren Überblick, treffende Formulierungen, geschickte Techniken und dergleichen heraus. Jetzt, beim Spanisch, gibt es eine ganz ungewohnte Anstrengung: Ich muss mein Gedächtnis betanken. Das ist ein merkwürdiger Vorgang, denn das Gedächtnis wehrt sich. Habe ich es irgendwann dazu gebracht, ein Wort aufzunehmen, das es lange verweigert hat, lässt es einen resignierten Seufzer hören. Aber man kann das Gedächtnis auch verführen. Es liebt Assoziationen und sie müssen nicht klug sein: Albóndiga, das sind doch diese Fleischbällchen, die ich mir nicht merken kann, oder?

Außer dem Gedächtnis braucht man vor allem scharfe Ohren. Es wird recht schnell gesprochen und viel gebunden. Selbst wenn man alle Worte kennt, verpasst man leicht die Wortgrenzen oder die eine Endung, an der der ganze Inhalt hängt.

¿Puede repetir, por favor?