Kurze Meldung

Nach drei Nächten in Puerto Natales sind wir heute per Schiff und Zodiac im Nationalpark Torres del Paine angekommen. Ab morgen wohnen wir für fünf Nächte in einem Refugio, das möglicherweise kein Internet hat. (Dies hier läuft über Satellit.) Also evtl.melden wir uns erst um den 1. Dezember wieder.

Fjorde

Über die Schiffsfahrt von Puerto Montt nach Puerto Natales kann man im Internet Furchtbares lesen. Drei Tage lang Nebel, so dass man während der gesamten Fahrt buchstäblich nichts von der Landschaft sieht. Und auf der Strecke übers offene Meer dann so starker Seegang, dass allen Passagieren gleichzeitig schlecht wird.

Wir dagegen haben zweieinhalb Tage lang schönstes Wetter. Schon die Zeit bis zur Abfahrt des Zubringerbusses (die Schiffe nach Puerto Natales legen inzwischen 15 km außerhalb an, nämlich hier) verbringen wir hinter dem Busbahnhof am Ufer der Bucht, auf einer Parkbank in der Sonne. Auch auf dem Schiff, während wir aufs Ablegen warten, sitzen alle Passagiere im Freien, auf Bänken oder auf den Kisten für die Schwimmwesten,  sonnen sich, schwatzen und fotografieren die Seelöwen, die auf allen Bojen sitzen und sich ebenfalls sonnen.img_3390

Gegen 18 Uhr legen wir ab, und von nun an geht es fast drei Tage lang stetig nach Süden. Am frühen Morgen haben wir den Golfo Corcovado erreicht und halten schon bei Sonnenaufgang nach Walen Ausschau, leider vergeblich. Kurz danach geht es etwa hier in den ersten von vielen schmalen Kanälen. Rechts und links hohe felsige Berge, auf manchen Kuppen liegt noch Schnee, und im Osten schauen zwischen den Wolken ab und zu höhere, ganz weiße Gipfel hervor.

Wir verbringen zwei Tage fast nur an Deck. Die Sonne scheint; vor dem patagonischen Wind muss man allerdings Schutz suchen, schon weil man sonst weder Fernglas noch Kamera still halten kann. Erstaunlicherweise ist es lange Zeit gerade am Bug besonders windstill. Wir sehen Kormorane, Sturmvögel, Seeschwalben und seltsame Enten mit orangefarbenem Schnabel, die beim Flüchten vor dem Schiff nicht auffliegen, sondern übers Wasser laufen. Immer öfter sind auch Schwarzbrauen-Albatrosse zu sehen. Sie segeln elegant niedrig über dem Wasser, oft ganz nah am Schiff. Erst wenn man sie zusammen mit einem Sturmvogel ins Fernglas bekommt, erkennt man, wie groß sie sind: die Spannweite beträgt etwa drei Meter. (Noch größer – vier Meter – sind die Wander-Albatrosse, die man hier angeblich auch manchmal zu sehen bekommt, aber so viel Glück haben wir nicht.) Einmal fliegt ein Kondor quer über uns hinweg.

Die Strecke über den offenen Pazifik (hier sind wir am Samstagabend nach Westen abgebogen, und hier ging es erneut in die Fjorde hinein) ist tatsächlich etwas schaukelig; aber es ist Nacht, und wie man in schaukelnden Betten schläft, wissen wir ja noch von der Spirit of Hamburg.

Das Essen an Bord ist übrigens auch wie auf der Spirit of Hamburg: drei warme Mahlzeiten am Tag. Da fanden wir es anfangs fast irritierend, dass wir uns das Schiff mit so vielen Passagieren teilen müssen. Es sind etwa 120, eine freundliche und entspannte, bunt gemischte Truppe. Knapp die Hälfte sind wohl Chilenen, dann gibt es eine größere Schweizer Gruppe, einige Deutsche, viele Franzosen und natürlich einen Schwung Nordamerikaner. Für uns alle ist ein Reiseleiter zuständig, der einmal täglich auf Spanisch und Englisch einen Vortrag hält: über die Schiffsroute, über die Tiere und Pflanzen und über die Menschen, die hier leben.

Am Sonntagnachmittag kommen noch ein halbes Dutzend Einheimische aus Puerto Edén (das ist hier) mit Motorbooten an Bord; für sie sind die Schiffe von Navimag (Navigaciones Magallanes) die einzige Verbindung zur Außenwelt. Denn es gibt auf diesen vorgelagerten Inseln und Halbinseln keine Straßen und keine Flugplätze. Keine Sendemasten auf den Bergen, keine cabañas und Campingplätze am Ufer, keine Serpentinen an den bewaldeten Berghängen hinauf. Die einzigen Spuren menschlicher Aktivitäten sind die Lachsfarmen auf der ersten Wegstrecke. Auf sie hätten wir – und wohl auch die hiesige Umwelt – sehr gut verzichten können.

Erst als wir am Montagmorgen wach werden, haben wir echtes Patagonienwetter. Tief hängende Wolken, die sich manchmal bis zur Wasseroberfläche herabsenken und dann in Sprühregen verwandeln. Und manchmal auf einmal silbrig leuchten, weil von irgendwo die Sonne hineinscheint. Die Berge sind niedriger und rund geschliffen und erinnern uns an die Äußeren Hebriden. Außer dass man zwischen den Kuppen hindurch auf einmal Schneegipfel sieht und auch die ersten Gletscherzungen. Immer noch segeln überall Albatrosse. Um kurz vor fünf Uhr nachmittags erreichen wir hier den südlichsten Punkt unserer gesamten Reise; ab jetzt wird es wieder nach Norden gehen.

Im Moment bummelt das Schiff ziemlich langsam einen schmalen Fjord hinauf. Um Puerto Natales zu erreichen, muss es noch eine besonders enge Stelle passieren, und dafür muss es einen Zeitpunkt abwarten, zu dem die Gezeiten keine zu starke Strömung mehr verursachen. Unsere Ankunft wird sich deshalb um viele Stunden bis in den späten Abend verzögern. Zum Glück haben wir unser Quartier in Puerto Natales im Voraus gebucht.

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