Sprachen lernen

Schon letztes Jahr hatte ich mir vorgenommen, etwas Spanisch zu lernen, bevor die Reise losgeht. Ich habe seit 1990 mehrfach in Osteuropa Urlaub gemacht, und eine der weniger schönen Erfahrungen ist die Sprachlosigkeit.

Zum Beispiel: Der Kellner in der lebhaften, aber von Ausländern nicht besuchten Vorstadt von Belgrad fragt, ob der Wein trocken oder lieblich sein soll. Der Reisende setzt ein Lächeln auf und sagt „Ja, gerne“. Der Kellner stutzt nur kurz, schreibt auf seinen Block und fragt: „Reis oder Kartoffeln?“ Wenn der Reisende dann antwortet „medium“, tritt eine Stille ein, die über den Abend hinaus anhält.

Oder das spätsommerliche Dorf in den Karpaten, in das im Winter Touristen aus der ganzen Ukraine kommen. Gerne hätte ich jemanden gefragt, ob es denn keine Läden gibt? Natürlich findet man es auch alleine heraus. Die Läden des Dorfes befinden sich in Holzhäusern, die sich nur dadurch von den Bauernhäusern unterscheiden, dass die Tür offen ist und ein paar Getränkekisten davor stehen.

Dann bin ich drinnen, und es sieht aus wie ein Kaufmannsladen aus den 50ern. Ein großer leerer Ladentisch, dahinter eine freundliche Frau und an der Rückwand turmhohe Regale, gefüllt mit der ukrainischen Warenwelt, kyrillisch beschriftet. Wenn ich jetzt hätte sagen können „haben Sie Nüsse?“ oder gar „ich brauche Proviant für die Wanderung“, hätte es eine kleine Plauderei gegeben. Die Frau hatte Zeit und war sicher neugierig, wen sie vor sich hatte. Statt dessen unsicheres Zeigen, Kopfschütteln, Nicken. Irgendwann liegt ein Topfkratzer auf dem Tresen. Am Ende waren beide Seiten erleichtert, als es vollbracht war.

Also der Entschluss: Ohne Spanisch wird nicht gereist. Und es scheint leicht zu sein: Viele Worte kennt man schon, und es ist nur eine Sprache und kein halbes Dutzend. Kurse gibt es bei der Volkshochschule und Zeit habe ich auch. Wie das ging? Fortsetzung folgt.

Südliche Breite und westliche Länge

Ich habe in den 80er Jahren für kurze Zeit als Mathematiklehrer gearbeitet. Möglicherweise macht sich das jetzt ein bisschen bemerkbar.

Wie schon erwähnt, geben die großen Handelschiffe auf ihren Reisen regelmäßig per Funk ihren Aufenthaltsort bekannt. Das tat gestern auch die Spirit of Hamburg, sie funkte

Latitude: -33.03187, Longitude: -71.62672.

Übersetzt heißt das, sie befindet sich ungefähr 33 Grad südlich vom Äquator und 71 Grad westlich vom Nullmeridian (Geenwich bei London), oder auf 33 Grad südlicher Breite und 71 Grad westlicher Länge.

AtlasJetzt kann man einen Blick in den Atlas werfen und anhand der Gradzahlen am Kartenrand den angegebenen Ort aufsuchen. Passenderweise handelt es sich um Valparaíso, wo wir hoffentlich im November ankommen werden.

Wer Google-Earth auf dem Rechner hat, kann sich dort das Gradnetz anzeigen lassen und den Ort mit hoher Genauigkeit finden. Dort werden die Längengrade westlich von Greenwich nicht mit einem negativen Vorzeichen, sondern mit einem W und die südlichen Breiten mit einem S bezeichnet.

Google-Earth benutzt auch noch die Unterteilung des Grades in 60 Bogenminuten und 3600 Bogensekunden. Man muss aber nicht umrechnen, in den Voreinstellungen findet sich die Option „Dezimalgrad“.

Um die Bogenminute ist es eigentlich schade, denn sie definiert die Seemeile, gemessen auf dem Meridian, also in Nord-Süd-Richtung. Unser Schiff schafft 20 Seemeilen pro Stunde (20 Knoten). Fährt es genau auf dem Meridian entlang, braucht es für einen Breitengrad drei Stunden.

Schließlich lässt sich aus den Angaben von Breite und Länge ganz leicht ein Link erzeugen, der den Ort auf OpenStreetMap zeigt. Kopiert man die folgende Zeile

www.openstreetmap.org/?mlat=-33.03187&mlon=-71.62672

ins Browser-Adressfenster, wird der Ort des Schiffes angezeigt. Andere Orte findet man, indem man die fett gesetzten Koordinaten austauscht.