Nachgetragen: Von Puyuhuapi nach Puerto Montt

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29. bis 31. Dezember

Der einzige Bus von Puyuhuapi nach Norden fährt abends um acht und bringt uns in zwei Stunden nach La Junta. Die Straße führt in einem engen Tal durch den Wald, den wir nun schon kennen. 10 Kilometer geht es am Ufer des Lago Risopatrón entlang. Bäume und Unterholz stehen bis unmittelbar zur Wasserlinie. Wir sehen kein Haus, keinen Steg, kein Segel.

Später nehmen die Rodungen zu, mit Weiden und kleinen Höfen. La Junta liegt schon inmitten von Grünland. Wir hätten den Ort kaum beachtet, wenn der Bus durchgefahren wäre. Das gut instandgehaltene Denkmal, mit dem sich die Gemeinde bei Pinochet für die Carretera Austral bedankt, fällt allerdings auch dem eiligen Reisenden ins Auge.

Zum Bus nach Chaitén finden sich die Reisenden früh am Morgen in der Dorfstraße ein, wo wir am Abend zuvor angekommen waren. Einige hatten ihr Gepäck und ihre Postpakete schon abends im Bus verstaut, viele nehmen ausführlich Abschied, fast alle kennen sich. In Villa Santa Lucia auf halber Strecke nach Chaitén macht der Fahrer Pause. Die Panaderia hat hausgebackenen Streuselkuchen und Morgenkaffee für uns. Der Ort ist umstellt von schneebedeckten Kämmen, hier beginnt die Straße zum Andenpass Futaleufú nach Argentinien.

Chaitén ist schwer geschlagen durch den Ausbruch seines Hausberges, des Vulkans Chaitén, im Jahr 2008. Es gab nur ein Todesopfer, denn die Stadt wurde rechtzeitig evakuiert. Aber gleich danach begannen Wochen und Monate der unaufhaltsamen Zerstörung. Schutt- und Schlammströme aus vulkanischem Material und dem Schmelzwasser der abrupt aufgetauten Schneefelder gingen mit dem Río Blanco nieder, der bislang im Bogen um die Stadt herumgeflossen war. Der Schlamm blockierte die Mündung, der Fluss staute sich auf, und die Stadt wurde überflutet und mit Schlamm bedeckt.

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In den folgenden Monaten suchte sich der Río Blanco ein neues Bett, und er fand es in der Mitte der Stadt. Was im Wege war, nahm er mit – Häuser, Gärten, Schuppen und Garagen von zehn Karrees. Heute ist der neue Flussverlauf durch Aufschüttungen vorläufig stabilisiert. An seinen Ufern liegen nun die Ortsteile Chaitén und Chaitén Sur. Die einzige Brücke, über die man das abgeschnittene Chaitén Sur erreicht, liegt außerhalb der Stadt.

Die Behörden wollten den Ort zunächst aufgeben, aber viele Bewohner wollten zurück. 3400 waren es einmal, jetzt sind es wieder 900. Sie leben vor allem von den durchreisenden Touristen, die mit verschiedenen Fähren und auf der Carretera Austral hier vorbeikommen.

Eine von den Standhaften ist unsere Wirtin. Außer ihren schlichten Fremdenzimmern betreibt sie ein Restaurant, in dem wir nach der Busfahrt dankbar unseren zweiten Kaffee trinken. Sie nennt uns auch, in gewandtem Englisch, die einzige Attraktion des Ortes: Zur Erinnerung hat man eine Reihe von Häusern am Ortsrand stehen gelassen, die von den Schlammlawinen getroffen wurden. Einige sind bis unters Dach in dem inzwischen staubtrockenen Vulkanschutt begraben, andere, die unterspült wurden, stehen schief, aber immer noch proper an ihrem angestammten Platz. Und nach und nach begrünt sich das Gelände.

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Für den letzten Reiseabschnitt von Chaitén nach Puerto Montt kauft man, wie gewohnt, Busfahrscheine, aber die Carretera Austral ist hier nicht durchgehend ausgebaut. Für uns ein glücklicher Umstand, denn dreimal fährt der Bus auf die Fähre, einmal für eine halbe Stunde, und einmal für drei. Wie in einer Kurzfassung unserer bisherigen Reise ging es am Sylvestertag auf der Schotterstraße durch den Regenwald und mit Fähren durch die Fjorde. Nach der letzten, kurzen Überfahrt bleibt die Straße am Wasser, sie folgt der Küste des Seno de Reloncaví, das ist der große Golf, an dem Puerto Montt liegt und über den wir am Anfang der Reise mit dem Navimag-Schiff nach Süden gefahren sind.

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