Schatten auf Schnee

Der neue Titel des Blogs ist eine kleine Verbeugung vor Ursula Le Guin und ihrem Roman The Left Hand of Darkness – eins der Bücher, die vor vielen Jahren in mir den Wunsch geweckt haben, irgendwann auch einmal schreiben zu können.

Der Roman stammt aus dem Jahr 1969. Auf Deutsch ist er 1974 in einer Übersetzung von Gisela Stege bei Heyne erschienen, zunächst unter dem Titel Winterplanet. Inzwischen heißt er Die linke Hand der Dunkelheit.

Das Titelbild des Blogs ist in Berlin entstanden: Sonnenuntergang im Görlitzer Park.

Neustart

Vor einem Jahr gab es an dieser Stelle einen Blog zu unserer Patagonienreise zu lesen. Schon damals habe ich mich gefragt, ob ich nicht nach unserer Rückkehr einen auf Dauer angelegten Blog zu Fragen des Schreibhandwerks starten möchte. Keine Schreibschule natürlich (ich habe nichts zu unterrichten), überhaupt nichts Systematisches oder Planvolles, sondern einfach einen Platz für Überlegungen, die sich aus der Praxis des Schreibens ergeben.

Im Offline-Leben habe ich zu meinem Glück eine ganze Reihe von Kolleg*innen in meiner Nähe, mit denen ich über Handwerkliches reden kann. Das ist toll: lebendig, immer wieder überraschend und sehr bereichernd. Nur merke ich oft, dass mir nach solchen Diskussionen zwar wichtige Punkte im Gedächtnis bleiben, aber keine längeren Gedankengänge, kein Einerseits-Andererseits. Außerdem zwingt das schriftliche Nachdenken stärker zu Klarheit und Stringenz als ein Gespräch, in dem man – gerade wenn man sich gut kennt – schnell das Gefühl hat, man hätte sich ohnehin schon verstanden: weil der andere längst ahnt, was man meint. (In einem Seminar an der Wolfenbütteler Bundesakademie hatte Burkhard Spinnen kürzlich ein sehr hübsches Beispiel für so einen Dialog – ich weiß leider nicht mehr, ob erfunden oder irgendwo gefunden:)

A: Der C, das ist auch so einer.
B: Ja, genau.

Hier soll es also präziser zugehen. Wenn auch sicher deutlich sprunghafter und assoziativer als in einem Artikel für eine Zeitschrift oder eine Online-Plattform.

Einige Beiträge, die ich für diesen Blog plane, gehen auf Postings in Online-Foren zurück, zum Beispiel im Autorenforum Montségur. Auch die Diskussionen dort fand ich oft anregend, aber aus meiner Sicht sind solche Foren nicht der richtige Ort für lange Ausführungen. Dort soll ja diskutiert werden, nicht monologisiert.

Letzten Endes wünsche ich mir natürlich auch für diesen Blog Diskussionen. Die Kommentarfunktion ist aktiviert (während unserer Reise hatten wir sie ausgeschaltet), und ich fände es ganz wunderbar, wenn ich die eine oder den anderen dazu anstiften könnte, hier mitzumachen. Zu kommentieren, weiterzuführen, zu widersprechen. Auch Gastbeiträge kann ich mir vorstellen. Ich weiß aber, da draußen im Internet gibt es vieles, was man eigentlich unbedingt lesen möchte. Und Kommentare zu schreiben friss Zeit.

Darum werden sich Blogbeiträge erst einmal aus dem ergeben, was mich aktuell beim Schreiben beschäftigt. Das sind vor allem zwei Themen:

  • nicht-chronologisches Erzählen, oder genauer: Geschichten, die nicht (in erster Linie) von der Kausalität der Handlung vorangetrieben werden,
  • und das Erzählen von Lückenhaftem oder nicht Vorhandenem, also etwa von Vergessenem. (Das war übrigens das Thema des Wolfenbütteler Seminars: Vergessen.)

Was hier nicht entstehen soll, ist ein Schreibtagebuch, in dem ich aus meinem Arbeitsalltag plaudere. Oder eine Plattform für Rezensionen. Oder eine verkappte Werbemaßnahme für meine eigenen Werke und die von Kolleg*innen. Zumindest anfangs werde ich sogar sehr wenig Konkretes über mein aktuelles Projekt erzählen; dem tut es derzeit gut, wenn keiner hinschaut. Und wie gesagt: „Die zehn besten Schreibtipps‟ werden hier auch nicht geboten. Die findet man ja anderswo. Sondern Überlegungen. Beobachtungen. Vermutlich sehr viele Fragen.

Ich hoffe, dass ihr Spaß am Mitlesen habt.